VEREIN ZUR FÖRDERUNG DEUTSCHER UND INTERNATIONALER JUGEND -BEGEGNUNGEN, -ARBEIT UND -PROJEKTE
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BETREUUNG UND BERATUNG VON MIGRANTEN UND ZUGEWANDERTEN
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IST DER SACK ZU, DANN ÖFFNET IHN!

UM 1974 zogen Tausende in die neuen Hochhäuser am heutigen Sprickmannplatz, eingefaßt von der „Schleife”. Mit gemischten Gefühlen nahmen die Altkínderhauser zur Kenntnis, daß ihre idyllische Dorfruhe nun zu Ende war. Es wurde immer klarer, daß unter den „ Neu-Kinderhausern“ auch viele Familien aus Toppheide, Grüner Grund, Mecklenbeck und anderen Brennpunkten Münsters stammten, oft auch aus den sogenannten „Sozialhilfe Dynastien.“
Die Bezeichnung „Schleife“ paßte, denn mit der Schleife kann man sich die Haare zieren oder einen bunten Blumenstrauß binden. Damit schnürt man aber auch den unliebsamen Müllsacke zu.

Von der gefühlten „Unruhe“ war es oft verbal nicht weit zum „Unruhestifter.“
 
Integration war damals noch ein Fremdwort. Doch bildete sich bald eine Initiative, die aus Jugendlichen und Kaufleuten der Kath. St. Josefgemeine-Kinderhaus stammte. Man setzte sich dafür ein, daß einer der letzten Kotten der Bauernschaft Brüningheide (kleines Familienhaus mit etwas Landwirtschaft, einer Kuh und 3 Schweinen der Familie Schlüter) von der Stadt gekauft wurde und als Provisorisches-Jugendzentrum-Kotten Kinderhaus eingerichtet wurde. Es sollte nicht abgerissen werden! - Zug um Zug sollte auf diesem Grundstück ein neues Jugendzentrum entstehe. Die Planungen von dem damaligem Baurat Dr. Hoss waren damals sehr weit vorangeschritten. Das Modell steht noch heute auf dem Dachboden des damaligen Hochbauamtes der Stadt Münster
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In Kinderhaus lebten seit vielen Jahren Arbeiter, Angestellte, Beamte, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und auch Millionäre in einem von fünf kleinen Ansiedlungen (Stadtteile im Stadtteil) zusammen. Portugiesen, Spanier und Türken waren die ersten „Ausländer.“ Deutsche und Ausländer, mit und ohne Kriminalitätshintergrund, geduldet oder seit mehr als 10 Jahre auf Abschiebung wartende Zuwanderer, machten später die „soziale Mischung“ komplett.

Vergessen scheint mittlerweile, daß die jugendlichen „Unruhestifter“ von 1973/74 - 1983/94 sich positiv weiterentwickelt haben. Offensichtlich gab es damals noch gut funktionierende Familien. Diese Jugendlichen zeigen heute „ihren“ KOTTEN, der, sollte das sehr umstrittene neue Einkaufszentrum tatsächlich gebaut werden, abgerissen werden. Sie erzählen ihren Kindern von „ihren 1970/80ziger Jahren: Hier bin ich groß geworden, hier war ich Jugendlicher, hier bin ich erwachsen geworden, hier war der Mittelpunkt des sozialen Lebens!

Etliche Betriebe in Münster werden heute von ehemaligen „Kotten-Jugendlichen“ unterhalten und geführt oder wurden sogar gegründet; viele arbeiten seit Jahren in Betrieben und haben eine Familie gegründet.
 
Wie kam es, daß offenbar ganze Generationen aus der Jugendzentrum KOTTEN-Zeit, auch eine sehr positive Gesamtentwicklung durchmachten? -

Selbständigkeit, Kreativität, Erziehung zur Verantwortungsübernahme und Hilfe für Andere, war tägliches Programm. Dazu gehörte eben auch: "Etwas für andere tun! (Heute die Grundidee der Europäischen Union!) - Man hämmerte nagelte, entwarf und bemalte Transparente und Dekorationen für Stadteil- und Kinder -Feste zusammen mit den Kindergärten. Die Jugendlichen gestalteten „ihren“ KOTTEN mit Farben und selbstgebauten Sitzmöbeln. Sie organisierten die wöchentlichen Disco und Kinoveranstaltungen, sowie die jährlich stattfinden 14tägigen Ferienfreizeiten mit Zelt und Fahrrad und den Segeltörns in Holland. Die größte Städtetour ging nach Paris vom KOTTEN Brüningeide aus. Deutsche -, Roma- und ausländische Jugendliche gehörten zu einer Gruppe.
Das Grundprogramm war alltäglich! Jeder suchte sich selbst in der Gruppe seinen Platz. Keiner wurde benachteiligt, auf jede Kritik wurde gehört. Bei Störungen wurde gemeinsam nach Lösungen gesucht und gefunden. "Pädagogik statt Strafe!" - Dies war nur möglich mit einer Jugendadministration, die Sozialbeitern/innen freie Hand ließ, auch für ungewöhnliche Wege. So wurde auch schnell die Kinderpädagogische Jugendarbeit (für Kinder ab 6 Jahre) installiert, die sehr umfangreich Gestalt annahm und wegen der Größe des Bedarfs, darum in eine Spielwohnung an der Sprickmannstrasse verlegt werden mußte, die mit Hilfe der damaligen Jugendadministration angemietet warded. Hier ist auch der Ursprung der späteren Umbenennung von "Jugendamt" zu "Amt für Kinder, Jugendliche und Familien" der Stadt Münster zu sehen!

Ab 2009 ist nun alles anders, alles aus Glas und sauber geleckt, die wenigen Jugendlichen sind nur noch „Besucher.“ Alles was früher Jugendliche selbst machten, wird heute von bezahlten Studenten als Nebenjob neben einem Studium verrichtet; auch die Essenverteilung an Rentner - welche heute wohl hauptsächlich als eine große Einnahmequelle für den städtischen Haushalt gesehen sein wird.

Sozialarbeit, Werbegemeinschaft, Cola und Bier und SKY. - Ist solche Zusammenarbeit die neue pädagogische Ausrichtung zur Bewältigung sozialer Probleme im Stadtteil? - Wohl eher nicht.

Ein Blick von Kinderhaus nach Brüssel (EU) genügt: Das neue EU Programm Jugend in Europa - DAS SOLIDARITÄTSKORPS mit Europäischem Freiwilligendienst, sozialen Projekten, sowie Jobs und Praktika im In- und Ausland fördert vor allem anderen die Bildung sozialer Kompetenzen bei den Jugendlichen und öffnet die Tore nach Europa! - Nur darum geht es hier - auch hier im Quartier!

Dieser Artikel erschien im Sommer 2009 in dem Münster Magazin für Arbeit, Soziales & Kultur SPERRE Gastkommentator war u.a. Lothar Wypyrsczyk, Dipl. Sozialpädagoge und Kinderhauser seit 1974. Aufgewachsen in Berlin, eingeschult Oktober 1945 in der OPZ und lernte ab der 3. Klasse Englisch, aus dem Schulbuch: "Peter Pim and Billy Ball, he is big und he is small". Danach Kind der Berliner Luftbrücke" 1957 Maßschneider-Gesellenprüfung,
Modelschneider in der Berliner DOB Industrie. Nach dem Mauerbau in Berlin 1961, mit 23 Jahren Besuch des Humanistisches Gymnasium Clementinum in Bad Driburg, Staatl. Anerk. Erzieher, Fachhochschule Münster 1974-1978 mit Abschluß Dipl. Sozialpädagoge (Akadm.Grad).
Seit 1974 als Staatl. anerk. Erzieher auch hauptamtlicher Mitarbeiter der Stadt Münster, Jugendamt im provisorischen Jugendzentrum KOTTEN Kinderhaus und ab 1983 Jugendzentrum Kinderhaus im Bürgerhaus bis 1994/5, danach Sozialdienst für Flüchtlinge und Migranten bis zu seiner Rente 2001 tätig. Danach Wechsel vom Jugendamt zum Sozialdienst für Flüchtlinge (Sozialamt Stadt Münster) durch "Kollegen" und den nur ein gutes Jahr residierenden Jugendamtsleiter Karl Jansen. (Originalton der offiziellen Begründung des damaligen Jugendamtsleiters Karl Jansen) „Weil sie es so gut mit Ausländern können“! Hintergrund war die Gerüchteküche - durch Kollegen verbreitet - "Wypyrsczyk schafft Glücksspielautomaten im Jugendzentrum an." Später sah sich wohl der Amtsleiter genötigt - durch wen weis keiner bis heute - in der Presse zu veröffentlichen: "ImJugendzenrtum gibt es keine Glücksspielautomaten!" Fast zur gleichen Zeit - das Jugendzentrum war dann ca für 3 Monate geschlossen - gründeten er mit 38 deutschen und ausländischen Jugendlichen aus Kinderhaus den VDIJB e.V. auf der Kegelbahn der damaligen Gaststätte Brüningheide, da keiner diesen Jugendlichen für die Gründung ihres eigenen Verein, einen Raum zur Verfügung stellen wollte! Der VDIJB e.V. bot schon damals sofort in 3 Flüchtlingsheimen der Stadt Münster Projekte der Jugendhilfe an und organisert, bis heute in der Jugendhilfe und der Beratung und Betreuung von Flüchtlingen Integrations- und Bildungskurse an.
Presse seite 18:
"Es giebt keine Geldspielautomaten im Jugendzentrum"
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Auszug aus der Sonderausgabe 2020 des VDIJB e. V. - 25 Jahre Vereinsjubiläum des VDIJB e.V. - Titelseite